Visualisierung des SARS-CoV-2 Virus

Covid-19 Lage in Bielefeld

Seit meinem letzten Artikel zur Covid-19 Lage in Bielefeld habe ich immer wieder angesetzt, einen neuen Beitrag über die SARS-CoV-2- Lage hier vor Ort zu schreiben. Es gab bzw. gibt viele Themen, u.a.:

  • Meldestau(s) im Gesundheits-, Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt (GVLA)
  • Omikron-Welle in Bielefeld
  • Status „Genesen“, mit Janssen‑Cilag/Johnson & Johnson-geimpft und die Kommunikation des RKI, des PEI und des mags.nrw
  • Angepassung Lolli-Testverfahren an Grundschulen durch das Schulministerium.nrw

Nun gut, ich habe die Kommentierung der genannten Themen belassen, da ich kein Epidemiologe/Virologe bin. Ich bin auch kein Experte für Politikkommunikation, noch habe ich Einblicke in die (Verwaltungs-))Prozesse des GVLA.

Vielmehr habe ich mich als Controller drauf konzentriert, die wachsenden Datenmengen des RKI (mit eingeschränkten macOS-Mitteln) zu analysieren und in einem Bielefeld-spezifischen Dashboard zur Verfügung zu stellen.

Für mich, als ein Bielefelder Bürger, haben sich dann aber doch drei Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Datensatz des RKI ergeben. Plus Impfbericht der Stadt Bielefeld.

Drei Fragestellungen

  • Welches Gremium überwacht das GVLA (kommunal-)politisch?
  • Ist die Impfquote in Bielefeld wirklich so positiv?
  • Und kennen wir das aktuelle Infektionsgeschehen für Bielefeld? Wie steht es um die Bielefelder Herdenimmunität.

Welches Gremium überwacht das GVLA (kommunal-)politisch?

Der Sozial- und Gesundheitsausschuss (SGA) der Stadt Bielefeld ist das politische Gremium, dass das Infektionsgesehen in Bielefeld und somit auch das GVLA überwacht. Der SGA tagte am 2022-01-25 zum ersten Mal in diesem Jahr. Die letzte Sitzung des Jahres 2021 fand am 23.November statt (Niederschrift).

Pandemieverlauf in Bielefeld normalisiert auf 100.000 Einwohnende – Hervorhebung Sitzungslücke SGA

Somit hat das verantwortliche Gremium das Handeln des GVLA für über 63 Tage nicht politisch kontrolliert. Für die Mehrheit der Ratsfrauen und -herren im SGA gab es augenscheinlich keine Omikron-Welle, welche im SGA frühzeitig diskutiert werden müsste. Und Corona war übrigens unverständlicherweise erst Tagesordnungspunkt 05 in der aktuellen Sitzung.

Ist die Impfquote in Bielefeld wirklich so positiv?

Bei den explodierenden Fallzahlen wirkt die, im Impfbericht der Stadt Bielefeld (PDF 2022-01-24) veröffentlichte Impfquote beruhigend:

Bis einschließlich 23.01.2022 haben insgesamt 286.001 Menschen in Bielefeld einen vollständigen Impf- schutz, das entspricht einer Quote von 85,75 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Bezogen auf die Personen über zwölf Jahre liegt die Zweitimpfungsquote bei 96,93 Prozent.
Die Erstimpfungsquote bei Kindern unter 12 Jahren liegt bei 18,99 Prozent. Vollständig geimpft sind von den Kindern dieser Altersgruppe 9,11 Prozent.
Von den bereits vollständig geimpften Personen ab 12 Jahren haben bereits 68,49 Prozent eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Impfbericht der Stadt Bielefeld, welcher auf das RKI-Impfquotenmonitoring verweist

Am Wochenende dachte ich mir, diese Zahlen müssen visualisiert werden. Obwohl die Datenquelle im Impfbericht der Stadt Bielefeld nicht direkt verlinkt war (Wieso?), fand ich dann doch relativ schnell die Impf-Daten des RKI/DIM per Landkreis in GitHub. Den letzten Datensatz schnell auf den Stadtkreis Bielefeld „05711“ gefiltert plus „do things Controllers do“ ergibt:

Impfstatus je Altersgruppe

Hä? Wieso gab es 15k mehr Zweit- als Erstimpfungen in der Altersgruppe 18-59J in Bielefeld (bzw. vollständig vs. unvollständige Impfungen)? Sind die Bielefelder Impfquoten doch nicht so positiv?

Zur Grunde liegende Zahlen:

Robert Koch-Institut (2021): COVID-19-Impfungen in Deutschland, Berlin: Zenodo. DOI:10.5281/zenodo.5126652.

* Bevölkerung: Gesamtzahl übernommen vom RKI, Altersverteilung analog zu Daten von bielefeld.de

Dies ergibt folgende Impfquoten:

Robert Koch-Institut (2021): COVID-19-Impfungen in Deutschland, Berlin: Zenodo. DOI:10.5281/zenodo.5126652.

Wie? 100,9% der 18 bis 59 Jährigen Bielefelder haben einen vollständigen Impfschutz erhalten? Das ist mathematisch doch nicht möglich! Stimmt. Wichtig ist hier folgender Hinweis:

Die Zuordnung der Impfzahlen zu Landkreisen erfolgt anhand der Postleitzahl (PLZ) der impfenden Stellen (Impfzentren, Betriebe, Betriebsärzt:innen, niedergelassene Ärzteschaft). Nur diese Angabe des Orts der Impfung ist in allen Datenquellen enthalten.

Wenn also Bewohner der umliegende Kreise (Gütersloh, Herford, Lippe, Minden-Lübbecke, etc.) mit der Westfalen-Bahn zum Einkaufen nach Bielefeld fahren und sich direkt am Hauptbahnhof Impfen lassen, verfälscht es die tatsächliche Bielefelder Impfquote.

Hier müsste die Koordinierende COVID-Impfeinheit (KoCI) der Stadt Bielefeld bessere Daten liefern und dies natürlich auch im Impfbericht hervorheben. Und ja, die im Impfbericht gezogene Verknüpfung zw. Impfungen in Bielefeld und Bevölkerung ist falsch.

Das tatsächliche Infektionsgeschehen?

Die Impfquote für die Bielefelder Bevölkerung ist also wahrscheinlich überschätzt. Leider scheinen auch die laborbestätigten Fälle von SARS-CoV-2- Infektionen ungewöhnlich gering. Siehe Details (Forecast, Meldequalität) im Dashboard.

Vermutlich sieht die Wahrheit eher so aus:

Pandemieverlauf inkl. Forecast auf Basis Ø14T-R-Wert

Und nun?

Impfquote überschätzt? Infektionsgeschehen unterschätzt? GVLA kann das Infektionsgeschehen nicht abbilden .Eigenverantwortung wichtiger als je zuvor. Siehe letzter Beitrag.

Inzwischen haben sich mindestens 11,5% der Bielefelder Bevölkerung mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert. Mindestens 8.500 Menschen sind infektiös. Eine Durchsuchung mit – hoffentlich – größtenteils leichten Verläufen ist erwartbar.

Und ja, die ungeimpften Bielefelder:innen werden die Krankenhäuser trotzdem belasten. Und leider sind es mehr Ungeimpfte als wir gedacht haben.

  1. […] aber noch ein Nachtrag zu meinem letzten Artikel über die Covid-19 Lage in Bielefeld, welchen ich am 01. Februar 2022 um 07:00 Uhr veröffentlicht […]

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